Ich betreibe Rechtsgeschichte ...

Die Reihe wird fortgesetzt. Foto und Text wechseln jede Woche.
Betreiben auch Sie Rechtsgeschichte? Schreiben Sie uns gern, warum. Dann kann bald Ihr Text hier stehen.

Schon während meines juristischen Studiums war ich von den rechtshistorischen Vorlesungen und Seminaren meines Frankfurter Lehrers Adalbert Erler beeindruckt. Mir wurde deutlich, dass das geltende Recht nicht „vom Himmel gefallen“ ist, sondern seine Wurzeln tief in der Geschichte hat. Erkennbar wurden die Voraussetzungen für die Entstehung und den Verfall von Recht, die mir aus dieser Distanz eine differenzierte Beurteilung des Gegenwartsrechts ermöglichten. Heute gilt das beispielsweise für die im Grundgesetz verankerte und bei jeder Gelegenheit beschworene Menschenwürde, deren Bedeutung man ohne historisches Hintergrundwissen nur vordergründig begreift. Es gilt aber auch für das Verständnis der Rechtskulturen unserer europäischen Nachbarn. Selbst zum chinesischen Recht bot sich mir über dessen Geschichte ein überaus lohnender Zugang.

Außerdem gibt mir die Rechtsgeschichte den Raum für wissenschaftliches Arbeiten mit noch unentdeckten Rechtsquellen. Sie befreit von den schon im juristischen Studium vermittelten positivistisch orientierten Anwendungs- und Subsumtionstechniken, die schon bei Goethe, Schiller, Heine, Novalis und anderen bedeutenden „Dichterjuristen“ als blutleer und öde empfunden wurden. Geschichte und Rechtsgeschichte empfehlen sich mir – um mit Golo Mann zu sprechen – als „Mittel zur Selbsterkenntnis“ und „zur Erfahrung menschlicher Möglichkeiten und Grenzen“.

Auch wenn die Rechtsgeschichte weder Vorhersagen künftiger Rechtsentwicklungen ermöglicht noch ihre Kenntnis vor Fehlentwicklungen schützt, ist und bleibt sie für mich als Fundament des aktuellen Rechts eine tragende und identitätsstiftende Säule der Orientierung. Ich bin mir sicher, dass die Mehrzahl meiner zahlreichen sowie beruflich erfolgreichen Schüler und Doktoranden diese Erfahrung mit mir teilt.

Prof. em. Dr. Wolfgang Sellert, Göttingen



    Lehrstuhl für Bürgerliches Recht und Deutsche Rechtsgeschichte

 

Öffnungszeiten des Sekretariats (R 421)

Im Semester ist das Sekretariat des Instituts für Rechtsgeschichte

montags, dienstags und donnerstags von 9:00 bis 12:30 Uhr,

mittwochs von 09:00 bis 14:00 Uhr

und freitags von 9:00 bis 12:00 Uhr

besetzt.

Außerhalb dieser Zeiten richten Sie allgemeine Anfragen bitte per E-Mail an ls.oestmann@uni-muenster.de

Lehrstuhl Prof. Oestmann

Universitätsstraße 14-16
48143 Münster

Tel.: +49 251 83-28640 (Sekretariat)
Fax: +49 251 83-28643

Aktuelle Stellenausschreibung (zum nächstmöglichen Zeitpunkt)

Am  Lehrstuhl  für  Bürgerliches  Recht  und  Deutsche  Rechtsgeschichte  des  Instituts  für  Rechtsgeschichte ist ab dem nächstmöglichen Zeitpunkt  eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin/wissenschaftlicher Mitarbeiter mit der Hälfte der regelmäßigen Arbeitszeit zu besetzen. Weitere Einzelheiten entnehmen Sie bitte der Ausschreibung.