Ich betreibe Rechtsgeschichte, ...

Die Reihe wird fortgesetzt. Foto und Text wechseln jede Woche.
Betreiben auch Sie Rechtsgeschichte? Schreiben Sie uns gern, warum. Dann kann bald Ihr Text hier stehen.

...weil sie relevant, autonomiezuträglich und geistreich ist.

Rechtsgeschichte ermöglicht ein tieferes Verständnis von Gesetzes- und Richterrecht. Sie befreit von der Fixierung der Praxis auf Rechts- und Leitsätze. Gesetzesrecht wird umfassend im Lichte seiner geschichtlichen Herkunft betrachtet, worunter ich weit mehr als die Berücksichtigung von Entstehungsmaterialien begreife. Dass Recht nicht nur in abstrakt-genereller Form, sondern auch bei der Einzelfallanwendung ohne die jeweiligen historischen Umstände nicht in Gänze verstanden werden kann, macht die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts evident – ergingen doch zu im Wortlaut unveränderten Artikeln voneinander stark abweichende Entscheidungen. Die historische Kontextualisierung von Gerichtsentscheidungen ist ein besonders aufregendes Forschungsfeld.

Rechtsgeschichte führt die Dynamik normativer Quellen vor Augen und vermittelt Kenntnisse über die Formen und Inhalte, die Recht annehmen konnte. Dadurch fällt es leichter, sich vom geltenden, aber eben nur momentan gültigen Recht zu emanzipieren und alternative Gestaltungsoptionen zu bedenken. Dies ermöglicht nicht nur eine kompetentere Teilnahme an Rechtsdebatten der Gegenwart. Weil Autonomie notwendige Voraussetzung für ein gelungenes Leben ist, entfaltet Rechtsgeschichte für mich auch eine ethische Dimension.

Rechtsgeschichte eröffnet durch ihre Verknüpfung mit den Geschichtswissenschaften einerseits und den Rechtswissenschaften andererseits den Zugang zu einem überwältigend breiten Spektrum an Fachvokabular, Methodiken und theoretischen Konzepten. In der Rechtsgeschichte lässt der fast ausschließlich am staatlichen Recht ausgebildete Volljurist eng gesteckte Grenzen hinter sich und erlebt Recht in völlig anders geprägten Räumen und Kulturen. Mit dieser mehrfachen Entgrenzung geht eine transnationale und interdisziplinäre Forschung einher. Diese Horizonterweiterungen inspirieren und beglücken mich.

Felix Grollmann, Jurist


 



    Lehrstuhl für Bürgerliches Recht und Deutsche Rechtsgeschichte

 

Neuerscheinung

 

 

Zur Gerichtspraxis im 19. Jahrhundert

 

Zur Gerichtspraxis im 19. Jahrhundert

Die kommentierte Edition macht erstmals eine umfangreiche Prozessakte des 19. Jahrhunderts für die rechtshistorische Forschung zugänglich. Das Oberappellationsgericht Lübeck, von den Zeitgenossen als Deutschlands gelehrter Gerichtshof gerühmt, musste sich in fünf Verfahren mit Schmuggeleigeschäften auf der Ostsee zwischen Lübeck und Russland beschäftigen. Es ging unter anderem um Hinweispflichten in gegenseitigen Verträgen und um die Diskriminierung von Ausländern. Zahlreiche Frachtverzeichnisse sind von hohem wirtschaftsgeschichtlichen Wert. Gerichtsurteile verschiedener Instanzen und Juristenfakultäten, scharfsinnige Relationen, hochkarätige Auseinandersetzungen um prinzipielle Rechtsfragen und die Lichtgestalt des berühmten Präsidenten Arnold Heise machen die Lektüre zu einem Erlebnis, „kräftig und frisch, wie reine Seeluft“.

Weitere Informationen finden Sie auf der Verlagsseite.

Ankündigung

Die Vorlesung „Vertiefung Verfassungsgeschichte“ (Montag, 21. Oktober,  16-18 Uhr) und „Gesetzliche Schuldverhältnisse“ (Mittwoch, 23. Oktober, 13-14 Uhr) müssen leider entfallen und werden zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

 

Ankündigung

Der Hörsaal für die Verfassungsgeschichte wird nicht gewechselt!

 

Methodenübung

Veranstaltung im Wintersemester 2019/2020

Einführung in Quellen und Methoden der Rechtsgeschichte

ab Dienstag, dem 15.10.2019, 14-16 Uhr, AUB 215

 

 

 

Öffnungszeiten des Sekretariats (R 421)

Das Sekretariat ist im Semester montags, dienstags und donnerstags von 09.00 Uhr bis 12.30 Uhr besetzt, mittwochs von 09.00 Uhr bis 14.00 Uhr, freitags von 09.00 Uhr bis 12.00 Uhr.

Außerhalb dieser Zeiten richten Sie allgemeine Anfragen bitte per E-Mail an ls.oestmann@uni-muenster.de

Lehrstuhl Prof. Oestmann

Universitätsstraße 14-16
48143 Münster

Tel.: +49 251 83-28640 (Sekretariat)
Fax: +49 251 83-28643

    Aktuelle Stellenausschreibung (zum nächstmöglichen Zeitpunkt)

    Am  Lehrstuhl  für  Bürgerliches  Recht  und  Deutsche  Rechtsgeschichte  des  Instituts  für  Rechtsgeschichte ist ab dem nächstmöglichen Zeitpunkt  eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin/wissenschaftlicher Mitarbeiter mit der Hälfte der regelmäßigen Arbeitszeit zu besetzen. Weitere Einzelheiten entnehmen Sie bitte der Ausschreibung.