Ich betreibe Rechtsgeschichte ...

Die Reihe wird fortgesetzt. Foto und Text wechseln jede Woche.
Betreiben auch Sie Rechtsgeschichte? Schreiben Sie uns gern, warum. Dann kann bald Ihr Text hier stehen.

Wie vermutlich viele meiner Kollegen betreibe ich Rechtsgeschichte nicht nur aus einem Grund. Beispielsweise finde ich es einfach fesselnd zu sehen, wie Menschen in anderen Zeiten gelebt, gedacht und ihre gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gestaltet haben. Ein besonderer Reiz von Rechtsgeschichte liegt für mich aber immer wieder auch darin, dass ich durch sie so viel über das Recht lernen kann, das unser Zusammenleben heute regelt. Das gilt schon für eine einzelne Rechtsordnung wie das deutsche Recht, in meinem Fall also das deutsche Privatrecht. Wie sind seine Regelungen und Strukturen entstanden? Von welchen Vorstellungen und Erfahrungen sind sie geprägt? Haben sie sich bewährt oder sind sie überlebt? Ohne Antworten auf solche Fragen fühle ich mich beim Umgang mit dem geltenden Recht nicht auf sicherem Grund. Es gilt aber erst recht für die Rechtsvergleichung. Allein in der Europäischen Union haben wir 28 nationale Privatrechtsordnungen und einige regionale noch dazu. Wo liegen ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede? Diese Frage wird man noch recht einfach und ohne Rückgriff auf die historische Dimension des Rechts beantworten können. Doch der Versuch, diese Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu verstehen, führt immer wieder in die (vergleichende) Rechtsgeschichte. Wie und warum haben sich in dem einen Land bestimmte Rechtsvorstellungen herausgebildet und in dem anderen nicht? Welche Akteure waren für die Rechtsentwicklung maßgeblich, welche kulturellen Prägungen, ideologischen Vorstellungen, gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Rahmenbedingungen? Beruht die Rechtsentwicklung auf bestimmten Pfadabhängigkeiten, auf Zufällen, unterschiedlichen Quelleninterpretationen, vielleicht auf (produktiven?) Missverständnissen? Welche Erfahrungen spiegeln sich damit also in den unterschiedlichen Privatrechtsordnungen? Aus diesen Erfahrungen können wir nicht selten Anregungen für die Anwendung oder Reform unseres eigenen Rechts erhalten. Jedenfalls aber sehen wir dessen Profil im Vergleich mit den anderen Rechtsordnungen sehr viel schärfer – ja manchmal werden wir uns seiner Eigenheiten durch den historisch-vergleichenden Blick überhaupt erst bewusst. Damit ist deutlich geworden, dass für mich Rechtsgeschichte und Rechtsvergleichung zusammengehören. Erst die historisch-vergleichende Perspektive macht die Tätigkeit des Juristen zu einer aussichtsreichen Gebirgstour statt zu einem faden Talspaziergang auf ausgetrampeltem Pfad.

Reinhard Zimmermann, Hamburg



    Lehrstuhl für Bürgerliches Recht und Deutsche Rechtsgeschichte

 

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