Ich betreibe Rechtsgeschichte, ...

Die Reihe wird fortgesetzt. Foto und Text wechseln jede Woche.
Betreiben auch Sie Rechtsgeschichte? Schreiben Sie uns gern, warum. Dann kann bald Ihr Text hier stehen.

weil ich das Recht als Lenkungsinstrument in seinem jeweiligen sozialen und kulturellen Kontext und in seiner Dynamik verstehen will.

Bereits in meiner Studienzeit hat mich das Bonmot von Georg Christoph Lichtenberg (Sudelbuch 1789 ff.) bewegt und geprägt: „Wer nichts als Chemie versteht, versteht auch die nicht recht.“ In die Rechtswissenschaft übertragen heißt das, dass sich das Rechtsstudium nicht auf eine Beherrschung des gerade geltenden Rechts beschränken darf. Wo immer man sich mit den Grundlagen beschäftigt, wird man an der Rechtsgeschichte nicht vorbeikommen. Gegenwart ist immer gewordene Vergangenheit und Weiterwirkung in die Zukunft. Es gehört zum Selbstverständnis des Juristen, sich diese Tatsache bewusst zu machen und so den eigenen Standort zu bestimmen. In diesem Sinne ist Rechtsgeschichte Klärung und Aufklärung und nicht zuletzt Schärfung einer kritischen Haltung. Rechtsgeschichte ist daher keine museale Dienstleistung.

Ich bin und war stets gerne Jurist, allerdings mit der Überzeugung, dass sich das berufliche Profil des Juristen – gleich ob Wissenschaftler oder Praktiker – nicht in der bloßen Aktualität erschöpfen kann. Nach meinem Verständnis ist es die Aufgabe der Wissenschaft, die erfolgreichen und auch missglückten Linien und Strömungen, d. h. die kulturelle Produktivität der Rechtsentwicklung aufzudecken. Damit ist in meinem Sinne generell das faszinierende Tätigkeitsfeld des Rechtshistorikers umschrieben.

Obwohl Rechtsgeschichte auch Teil der Geschichtswissenschaft ist, wird sie vornehmlich von Juristen betrieben und vermittelt, da die Besonderheit der Materie „Erfahrung im Recht“ (Franz Wieacker) voraussetzt. Mich selbst hat es neben der Bedienung der Fächer des geltenden Rechts (Privatrecht und Rechtsvergleichung) immer wieder engagiert zur Rechtsgeschichte gezogen und ich habe schließlich dort meinen Forschungsschwerpunkt gefunden. Die damit eröffnete Horizonterweiterung ist für mich nach wie vor befriedigende Bestätigung meines Berufsverständnisses.

Prof. Dr. jur. Clausdieter Schott, Zürich



    Lehrstuhl für Bürgerliches Recht und Deutsche Rechtsgeschichte

 

Neuerscheinung

 

 

Zur Gerichtspraxis im 19. Jahrhundert

 

Zur Gerichtspraxis im 19. Jahrhundert

Die kommentierte Edition macht erstmals eine umfangreiche Prozessakte des 19. Jahrhunderts für die rechtshistorische Forschung zugänglich. Das Oberappellationsgericht Lübeck, von den Zeitgenossen als Deutschlands gelehrter Gerichtshof gerühmt, musste sich in fünf Verfahren mit Schmuggeleigeschäften auf der Ostsee zwischen Lübeck und Russland beschäftigen. Es ging unter anderem um Hinweispflichten in gegenseitigen Verträgen und um die Diskriminierung von Ausländern. Zahlreiche Frachtverzeichnisse sind von hohem wirtschaftsgeschichtlichen Wert. Gerichtsurteile verschiedener Instanzen und Juristenfakultäten, scharfsinnige Relationen, hochkarätige Auseinandersetzungen um prinzipielle Rechtsfragen und die Lichtgestalt des berühmten Präsidenten Arnold Heise machen die Lektüre zu einem Erlebnis, „kräftig und frisch, wie reine Seeluft“.

Weitere Informationen finden Sie auf der Verlagsseite.

 

Preisverleihung

 

Das Rektorat der WWU Münster hat Frau Dr. Clara Günzl den Dissertationspreis des Jahres 2020 zuerkannt.

 

 

Alte Handschriften lesen lernen

 

Quellen sind spannend. Wer jedoch etwas über ihren Inhalt erfahren möchte, muss sie lesen können. Dies ist besonders bei alten Handschriften nicht leicht. Das Projekt Ad fontes der Universität Zürich bietet – didaktisch aufgearbeitet – Beispiele und Hilfestellungen an. Anhand verschiedener Quellen können Interessierte so das Lesen alter Handschriften erlernen. Daneben gibt es viele weitere hilfreiche Hinweise zum Umgang und zur Arbeit mit Quellen.

Sie finden das Projekt unter https://www.adfontes.uzh.ch/.

 

 
 

 

Öffnungszeiten des Sekretariats

Das Sekretariat ist im Semester montags, dienstags und donnerstags von 09.00 Uhr bis 12.30 Uhr besetzt, mittwochs von 09.00 Uhr bis 14.00 Uhr, freitags von 09.00 Uhr bis 12.00 Uhr.

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