Der Teufel liegt im Detail

v.l. Jonas Schunert, Carlotta Musiol, Isabel Kießling, Sare Deniz

Der Philip C. Jessup International Law Moot Court ist der traditionsreichste und größte studentische Moot Court. Er wird seit 1959 ausgetragen und inzwischen nehmen jährlich Studierende von über 500 Universitäten aus über 80 Ländern der Welt teil.

Der Sache nach handelt es sich um ein simuliertes Gerichtsverfahren vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH), das einen völkerrechtlichen Rechtsstreit zwischen zwei fiktiven Staaten zum Gegenstand hat. Die teilnehmenden Teams vertreten anwaltlich sowohl die Kläger- als auch die Beklagtenseite. Dazu müssen zunächst Schriftsätze ausgearbeitet und vorgelegt werden. Danach treten die Teilnehmer:innen in mündlichen Verhandlungen gegeneinander an. Die Rolle der Richter:innen übernehmen dabei Professor:innen, Diplomat:innen, Anwält:innen und andere Praktiker:innen, darunter auch Richter:innen des IGH und anderer internationaler Gerichte.

Um ein ersten Eindruck von der Arbeit des IGH und IStGH zu erlangen, fuhren die diesjährigen Mitglieder des münseraner studentischen Teams nach Den Haag.

"Nach der gemeinsamen Zugfahrt nach Den Haag haben wir den ersten Nachmittag genutzt, um uns den Scheveninger Strand und die Altstadt ein wenig anzuschauen. Insbesondere der Preis von Riesenrändern und die märchenhaften Skulpturen entlang des Wassers boten uns dabei genügend Diskussionsstoff. Abends haben wir uns beim gemeinsamen Kochen in die Fälle des Internationalen Gerichtshofs und des Internationalen Strafgerichtshofs eingelesen.

Am Donnerstag haben wir dann eine Verhandlung am IGH zwischen Venezuela und Guyana verfolgt. Es war sehr interessant, die verschiedenen Vortragstechniken der Anwält:innen und Politiker:innen aus verschiedenen Ländern und Rechtssystemen verfolgen und vergleichen zu können. Und auch für unser Jessup-Problem war die Verhandlung anregend. Im Anschluss haben wir spontan einen der Anwälte getroffen, der uns etwas über seine Erfahrungen mit den Verhandlungen am IGH und Den Haag als Standort für seine Arbeit im Internationalen Recht erzählt hat. Nach einer kurzen Mittagspause mit klassischer italienischer Pizza waren wir bei einem der Richter:innen des IGH eingeladen. Nach einer kleinen Führung durch den Friedenspalast mit Anekdoten über die vielen Geschenke aus unterschiedlichen Ländern und eine diplomatische Anordnung dieser, trafen wir Georg Nolte in seinem Büro. Dort führten wir eine anregende Diskussion über die Grundsätze der Entscheidungsfindung bei 15 verschiedenen Richter:innen mit 15 verschiedenen Meinungen, die alle keinen Grund für Minderwertigkeitskomplexe haben. Das Ergebnis: Es braucht klare Regeln und Strukturen für die Entscheidungsfindung und der Teufel liegt im Detail. Am Abend wurde wieder gemeinsam gekocht.

Am Freitagvormittag besuchten wir eine Verhandlung vor dem IStGH. Diese war im Gegensatz zum IGH scheinbar auch ein beliebtes Ausflugsziel für Schulklassen und allgemein besser besucht. Das könnte aber auch an den deutlich bequemeren Stühlen gelegen haben. Verhandlungen am IGH sind äußerst interessant, aber das Sitzfleisch wird nicht sehr luxuriös umsorgt. Am IStGH wurden zwei Zeugen anonym vernommen, was gerade aufgrund der Sprachbarrieren in internationalen Strafrechtsangelegenheiten sehr aufwendig ist. Die Vorsitzende Richterin zeigte sich insgesamt etwas genervt vom Frageverhalten des Strafverteidigers, der laut ihr die Zeit des Gerichts verschwendete. Dieser verwies auf die geheime Verteidigungsstrategie, sie drohte damit, seine Vernehmung in der nächsten Sitzung zu kürzen.

Die letzte Station war dann die deutsche Botschaft in Den Haag. Zusammen mit der Botschaft in New York ist diese die einzige deutsche Botschaft mit eigener Rechtsabteilung. Wir hatten ein sehr sympathisches Gespräch mit dem dort arbeitenden Diplomaten, einer weiteren Mitarbeiterin der Rechtsabteilung und einer Rechtsreferendarin. Hier erfuhren wir unter anderem, wie eng vernetzt die Community internationaler Jurist:innen in Den Haag ist.

Dann ging es auch schon wieder mit dem Zug nach Münster. Die Reise hat uns für den Jessup motiviert und inspiriert. Außerdem verfolgen wir jetzt den Rechtsstreit zwischen Venezuela und Guyana über die Internetseite des IGH von Münster aus weiter. An dieser Stelle wollen wir uns auch noch einmal herzlich bei der Fachschaft Jura in Münster für die finanzielle Unterstützung dieser Reise bedanken."

Weitere Informationen über den Jessup Moot Cout finden Sie auf der Homepage dieses.