Westfalens erstes Parlament – 200 Jahre Westfälischer Provinziallandtag

Das erste Parlament Westfalens trat am 29. Oktober 1826 unter dem Vorsitz von Karl Freiherr vom Stein in der Aula des fürstbischöflichen Schlosses zu Münster zusammen. Am Vorabend des 200-jährigen Jubiläums veranstaltete das Freiherr-vom-Stein-Institut an eben jenem Ort eine Festveranstaltung. Vertreter nordrhein-westfälischer Institutionen, sowie Festredner Prof. Dr. Bodo Pieroth, emeritierter Professor für Öffentliches Recht an der Universität Münster, hoben dabei die Bedeutung des ersten Westfälischen Provinziallandtags, als erste politische Gesamtvertretung Westfalens, für den Beginn des Parlamentarismus und die Entwicklung einer regionalen Selbstverwaltung hervor.
Hauptgeschäftsführer des Landkreistags NRW, Dr. Klein, stellte die Bedeutung dezentraler, regionaler, Interessenvertretung in den Mittelpunkt seines Grußwortes. Mit dem ersten Westfälischen Provinziallandtag begann die Institutionalisierung regional-politischer Interessenvertretung. In der Folgezeit entstand die kommunale Selbstverwaltung. Zugleich entwickelten sich eigenständige Zusammenschlüsse der Kreise, die in der Nachkriegszeit schließlich zur Gründung des nordrhein-westfälischen Landkreistags geführt haben. Die Präsidentin des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe, Frau Prof. Dr. Buchholz, unterstrich die Bedeutung des Westfälischen Provinziallandtages für die Entstehung und Entwicklung des Sparkassenwesens in Westfalen. Auch wenn frühe Sparkassen schon zuvor bestanden hätten, sei der Westfälische Provinziallandtag ein Meilenstein gewesen. Frau Prof. Buchholz veranschaulichte anschließend die heutige gesellschaftliche Bedeutung der Sparkassen in Westfalen und verwies auf die Bedeutung des Freiherr-vom-Stein-Instituts für die Entwicklung des Sparkassenrechts.

Feierlich überreichte Frau Prof. Buchholz dem Geschäftsführenden Direktor des Freiherr-vom-Stein-Instituts, Prof. Dr. Wißmann, eine goldene Erinnerungsplakette in Erinnerung an das erstmalige Zusammentreten des Westfälischen Provinziallandtages im Schloss zu Münster, sowie ein Manuskript der Rede, die Freiherr vom Stein an eben diesem Ort gehalten hatte.
Herr Fedlmeier, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Provinzial Holding AG, verwies auf den Zusammenhang und die Verbindung von Versicherungswesen und regionaler Selbstverwaltung und hob die Namenskontiunität seines Unternehmens hervor. Landesdirektor Dr. Lunemann, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe – und damit der Nachfolgeinstitution des Westfälischen Provinziallandtages –, sowie geschäftsführendes Präsidialmitglied der Freiherr-vom-Stein-Gesellschaft e.V., hob die räumliche Entwicklung der regionalen Selbstverwaltung hervor. Verfügte man anfangs nicht über eigene Räumlichkeiten, nahm das eigene Selbstbewusstsein stetig zu und führte letztlich zum Bau des Landeshauses am Freiherr-vom-Stein-Platz.

In seinem Festvortrag stellte Prof. Dr. Bodo Pieroth auf die zentrale, jedoch im Kern recht ambivalente, Rolle von Freiherr vom Stein ab. Einerseits sei dieser eine wichtige Figur für die Begründung regionaler Selbstverwaltung und Interessenvertretung. Andererseits sollte diese ganz bewusst den Großteil der Bevölkerung von jeder Teilnahme und Repräsentanz ausschließen. Nicht nur die Normalbevölkerung, sondern auch Wissenschaftler und Gelehrte seien gezielt außen vor gelassen worden. Mit zunehmendem Alter sei Freiherr vom Stein immer konservativer geworden.
Prof. Dr. Wißmann schloss mit dem Gedanken der Universität mit ihren modernen Studiengängen und der auf sie zurückzuführenden Schaffung moderner Ämter als historischen Gegenort zum Provinziallandtag.
Anschließend lud das Institut zu einem Empfang in das Foyer des Schlosses.
