Staat und Verwaltung - SP 6

Das universitäre Schwerpunktstudium bietet für viele Jurastudierende zum ersten Mal die Gelegenheit, eigenständig wissenschaftlich zu forschen und persönlichen Interessengebieten vertiefend nachzugehen. Gerade auf das eigenverantwortliche Arbeiten im Rahmen zweier Seminararbeiten wird im Schwerpunktbereich 6 – Öffentliches Recht – ein deutlicher Fokus gelegt. Zugleich bietet das Schwerpunktstudium die Möglichkeit, in der Zwischenprüfung erlerntes Examenswissen zu vertiefen und leistet so einen bedeutsamen Beitrag zur Vorbereitung der juristischen Prüfungen. Das Seminar- und Vorlesungsprogramm im Schwerpunktbereich 6 orientiert sich dementsprechend an Grundfragen des Verfassungsrechts und Verwaltungsrechts.

Um der Eigenverantwortung der Studierenden entsprechend der Zielsetzung des Schwerpunktbereichs gerecht zu werden und freies Arbeiten zu ermöglichen, stehen im Mittelpunkt des Schwerpunkts zwei Seminararbeiten. Durch die interessengeleitete Themenwahl können eigene Schwerpunkte gesetzt werden. Begleitend sind zwei verpflichtende, forschungsnahe Vorlesungen zu besuchen: „Strukturen des Verfassungsrechts“ und „Strukturen des Verwaltungsrechts“. Die Pflichtveranstaltungen zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass Einblicke in aktuelle (öffentlich-rechtliche) Forschungsgebiete der Lehrkörper gegeben werden. Daneben bietet das breit gefächerte Vorlesungsangebot Studierenden die Möglichkeit, beim Besuch weiterer Wahlpflichtveranstaltungen zwischen zwei Schwerpunktkonzeptionen zu entscheiden: Im Wege einer „Vertiefung“ kann das öffentlich-rechtliche Examenswissen durch den Besuch pflichtstoffnaher Vorlesungen gefestigt werden oder aber durch die Wahl der Wahl(pflicht-)fächer in unterschiedlichsten Rechtsgebieten eine fachliche „Verbreiterung“ des juristischen Wissens verfolgt werden.

Auf den Punkt gebracht: Ziel ist die Auseinandersetzung mit Grundfragen des Öffentlichen Rechts im Wege möglichst freier Gestaltung nach den Interessen der Studierenden.
Dementsprechend umfasst der Schwerpunktbereich 6 nunmehr eine Grundlagenveranstaltung, zwei Pflichtveranstaltungen, drei Wahlpflichtveranstaltungen (davon nur eine mit einer Klausurleistung) sowie zwei häusliche Arbeiten.

Weshalb entscheide ich mich für den SP 6?

Nachdem das Zwischenprüfungsstudium einen Einblick in die verschiedenen Rechtsgebiete gegeben hat, fällt die Wahl des Schwerpunktes durchaus nicht leicht. Sollte sich bereits in den ersten Semestern eine Vorliebe für die öffentlich-rechtlichen Lehrveranstaltungen ausgeprägt haben, ist die Entscheidung für eine Vertiefung im Staats- und Verwaltungsrecht schnell getroffen. Die folgenden Kriterien erleichtern die Entscheidungsfindung Unentschlossener.

a) Intrinsisches Interesse
Gerade im öffentlichen Recht ist die Verknüpfung von Recht mit politischen Prozessen und ideologisch-weltanschaulichen Einstellungen deutlich zu beobachten. Wer also ein Interesse an der Erforschung politischer Zusammenhänge hat und sich vorstellen kann, Recht in seiner Entstehung wie Anwendung auch kritisch zu beleuchten, findet hierzu im Schwerpunkt 6 die Gelegenheit. Daneben besteht die Möglichkeit, historische Eckpfeiler der Verfassungsfindung zu erforschen und im Lichte der historischen Betrachtung stets auch Bezug zu aktuellen Fragestellungen zum Grundgesetz zu beleuchten.
Insbesondere wird auch der Inhalt der zwei Pflichtveranstaltungen durch den Einblick in aktuelle Forschungsbereiche des jeweiligen Lehrkörpers wesentlich geprägt. Nicht nur das Umwelt-, das Religionsverfassungs- und das Migrationsrecht befassen sich mit brennend aktuellen Fragen und fordern zu der intellektuellen Leistung heraus, eigene Herzensanliegen mit dem klaren analytischen Instrumentarium des Rechts zu erfassen und zu durchdringen. Zugleich unterstreichen die Beispiele, dass im Öffentlichen Recht der Gemeinwohlbezug des Rechts im Zentrum steht und im Schwerpunkt 6 auch gezielt reflektiert (und gepflegt) werden soll.

b) Zweckrationale Überlegungen
Daneben können durchaus auch sehr zweckrationale Überlegungen den Weg zum Schwerpunkt 6 bereiten. Traditionell ist dieser Schwerpunktbereich nicht „überlaufen“, was ein intensives Lernklima in verhältnismäßig kleinen Gruppen Studierender ermöglicht. Zu verzeichnen sind substantiell bessere Ergebnisse als in überfüllten Lehrveranstaltungen. Es wird die Möglichkeit eröffnet, sich im kleinen Rahmen der Schwerpunktveranstaltungen in der aktiven Diskussion juristischer Inhalte und Kontexte zu üben und auf diesem Wege gestärkt in die mündlichen Prüfungen des Staatsexamens zu gehen.
Insbesondere bieten die zwei Pflichtveranstaltungen („Strukturen des Verfassungsrechts“ und „Strukturen des Verwaltungsrechts“) die Gelegenheit, den Lernstoff der Zwischenprüfung bereits im Hinblick auf die anschließende Examensvorbereitung zu vertiefen. Im Pflichtprogramm liegt also der Fokus stärker auf der Vertiefung des Vertrauten als auf der Spezialisierung in gänzlich unbekannten Gebieten. Das examenswichtige Denken in Zusammenhängen und Strukturen wird auf diesem Weg gefördert. Gleichwohl kann durch die Schwerpunktsetzung im Rahmen der angebotenen Wahlpflichtfächer auch eine „Verbreiterung“ des Wissens verfolgt werden.
Daneben kann die Erörterung spezifischer Einzelfragen im Kontext der Seminararbeiten erfolgen. Das Verfassen zweier Seminararbeiten kommt vor allem Studierenden zugute, die sich in dieser Art der Leistungserbringung wohler fühlen als in der Klausur. Wer sich im Rahmen der Hausarbeiten während des Grundstudiums mit Interesse und Freude an die Recherchearbeit begeben hat und die Arbeiten strukturiert verfassen konnte, kann sich nunmehr in zwei Seminaren mit Themen auseinandersetzen, die persönlichen Interessen entsprechen.

Aufbau des Schwerpunktstudiums

Im Schwerpunktbereich 6 sind zwei Pflichtveranstaltungen (4 SWS), Wahlpflichtveranstaltungen (6 SWS, davon 2 SWS mit Klausurleistung), eine Grundlagenveranstaltung (2 SWS) sowie zwei häusliche Arbeiten in je einem Seminar (je 2 SWS) zu absolvieren.

a) Pflichtveranstaltungen
Semesterabschlussklausuren im Umfang von 4 SWS sind in folgenden Veranstaltungen zu absolvieren:

  • • Strukturen des Verfassungsrechts (regelmäßig im WS)
  • • Strukturen des Verwaltungsrechts (regelmäßig im SoSe)

Die Veranstaltungen vertiefen die wichtigsten Elemente und allgemeinen Lehren des Verfassungs- und Verwaltungsrechts. Beide Vorlesungen sind darüber hinaus forschungsnah angelegt, fallen also je nach Dozent/in unterschiedlich aus, indem die Lehrenden etwa über aktuelle Gutachtenanfragen, Projekte, Prozessvertretungen, Publikationen u.Ä. berichten. Die Fachgruppe Öffentliches Recht stellt sicher, dass die Veranstaltungen jeweils im Wechsel angeboten werden.

b) Wahlpflichtveranstaltungen
Im Übrigen sind die Studierenden in ihrer Themenwahl frei: Sie sollen im Verlauf des Schwerpunktstudiums drei weitere Veranstaltungen besuchen, die einen sinnvollen Bezug zum öffentlichen Recht aufweisen. Aufgrund der Vielzahl von Vorlesungen (Stichwort Verbreiterung), die sich z.T. aufeinander beziehen (Stichwort Vertiefung) ist eine individuelle Schwerpunktsetzung durch die Studierenden möglich. Neben den Veranstaltungen, die im VK-Online dem SP 6 zugeordnet sind, können auch Veranstaltungen aus dem Telekommunikations- und Medienrecht, aus dem Steuerrecht oder aus dem internationalen oder ausländischen (Öffentlichen) Recht gewählt werden.
Regelmäßig bietet die Fakultät folgende Veranstaltungen an, die eigens für den SP 6 gedacht sind:

  • • Umwelt- und Planungsrecht AT (WS)
  • • Migrationsrecht (WS)
  • • Regulierungsrecht (WS
  • • Religionsverfassungsrecht (WS)
  • • Vertiefung Europarecht (WS)
  • • Umwelt- und Planungsrecht BT (SoSe)
  • • Kommunalfinanzen (SoSe)
  • • Verfassungsvergleichung (SoSe)

Schließlich kann die Wahlpflichtveranstaltung auch im Wege der Anrechnung nach einem Auslandsaufenthalt absolviert werden.  Die Wahlpflichtveranstaltungen Umwelt- und Planungsrecht Allgemeiner Teil (AT) und Besonderer Teil (BT) können wahlweise im SoSe oder im WS besucht werden und schließen jeweils mit einer Abschlussklausur ab. Die Vorlesung Umwelt- und Planungsrecht BT setzt nicht voraus, dass zuvor die Vorlesung Umwelt- und Planungsrecht AT gehört wurde.

c) Grundlagenfächer
Als Grundlagenfächer kommen alle Veranstaltungen in Betracht, die eigens dem Schwerpunkt-bereichsstudium zugeordnet sind; ein spezieller Bezug zum Öffentlichen Recht ist nicht erforderlich. Regelmäßig werden an der rechtswissenschaftlichen Fakultät folgende Veranstaltungen angeboten:

  • • Rechtssoziologie für Schwerpunktstudierende (WS)
  • • Römisches Privatrecht (WS)
  • • Kriminologie und Kriminalsoziologie (SoSe)
  • • Probleme der Verfassungsgeschichte (SoSe)
  • • Theorie des Privat- und Wirtschaftsrechts (SoSe)
  • • Privatrechtsgeschichte (SoSe)
  • • Verfassungsvergleichung (WS)

Daneben besteht die Möglichkeit, Veranstaltungen an anderen Fakultäten als Grundlagenfächer anzuerkennen. Wenden Sie sich hier bitte im Vorfeld an das Prüfungsamt der Fakultät oder die/den Schwerpunktverantwortliche/n.

d) Seminare
Das Absolvieren zweier Seminare soll erstens für Studierende attraktiv sein, die eine eigenständige Auseinandersetzung mit einem selbstgewählten Thema und das freie Verfassen eines wissenschaftlichen Textes dem „bloßen“ klausurmäßigen Abprüfen von Wissensständen vorziehen. Zweitens soll es die universitäre Schwerpunktprüfung im Öffentlichen Recht stärker vom staatlichen Teil der ersten Prüfung abheben und ihren wissenschaftlichen Charakter unterstreichen.
Eine häusliche Arbeit soll dabei in einem Seminar absolviert werden, das ausdrücklich dem Schwerpunktbereich 6 zugeordnet ist. Die zweite häusliche Arbeit kann in einem Grundlagenfach oder einem anderen Fach absolviert werden, sofern das Seminar und die konkrete Arbeit einen Bezug zum Öffentlichen Recht aufweisen (dies ist namentlich der Fall bei Seminaren zur Verfassungsgeschichte, zur Staatsphilosophie oder auch bei einem kriminalwissenschaftlichen Seminar zum Einfluss des Verfassungsrechts auf das Strafprozessrecht). Unter den gleichen Voraussetzungen kann die zweite häusliche Arbeit im Einzelfall auch in einem Seminar an einem anderen Fachbereich der WWU oder im Ausland absolviert werden. Bitte wenden Sie sich auch hier vorher an das Prüfungsamt der Fakultät oder die Verantwortlichen für den Schwerpunktbereich 6.

Es empfiehlt sich, nur ein Seminar pro Semester des Schwerpunktstudiums zu absolvieren. In der zeitlichen Gestaltung sind die Studierenden jedoch frei und können sich selbstverständlich auch dafür entscheiden, beide Seminare innerhalb eines Semesters zu belegen.
Bitte beachten Sie, dass Anmeldung und Vorbesprechung der jeweiligen Seminare bereits am Ende des Semesters stattfinden, das vor dem ersten Semester des Schwerpunktstudiums liegt. Informieren Sie sich also rechtzeitig, d.h. ggf. schon im 3. Semester über die einschlägigen Termine und Fristen. Falls Sie noch nicht über ein Zwischenprüfungszeugnis verfügen und sich nicht über WILMA für ein Seminar anmelden können, so wenden Sie sich bitte direkt an den Dozenten/die Dozentin des Sie interessierende Seminars des SP 6.

Ansprechpartner/in

Ansprechpartner für den Schwerpunkt 6 ist ab dem 1.1.2018 Herr Prof. Dr. Wißmann.

Bitte wenden Sie sich an das Sekretariat des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, insb. Verwaltungswissenschaften, Kultur- und Religionsverfassungsrecht:

Jutta Schlüter
Tel. 0251/83-26311
E-Mail: jutta.schlueter@uni-muenster.de