Sandro Wiggerich: Der Gerichtsstand der Militärpersonen in der Frühen Neuzeit

Projektskizze in Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit 14 (2010)

Das Militär war in der Frühen Neuzeit wie viele andere soziale Gruppen von der allgemeinen Gerichtsbarkeit ausgenommen. Stattdessen verfügte es über eigene Militärgerichte, deren Zuständigkeit sich nach zeitgenössischen Rechtsquellen meist auf alle Militärangehörigen sowie deren Familien und Bedienstete erstreckte. Die Zuständigkeiten in dem institutionellen Geflecht des frühneuzeitlichen Gerichtswesens waren jedoch selten klar abgegrenzt und zeitlich übergreifend geregelt. Jurisdiktionskonflikte, also Streitigkeiten um die Zuständigkeit einzelner Gerichte, waren häufig.
Durch einen Vergleich verschiedener Territorien sollen typische Verläufe dieser Konflikte sichtbar gemacht und Entwicklungslinien aufgezeigt werden.
Die Untersuchung, die sich einerseits auf die Prozessakten, andererseits auf Erlasse und andere normative Quellen stützt, wird einen wesentlichen Aspekt der rechtlich-sozialen Integration stehender Heere nachzeichnen und so einen bisher wenig beleuchteten Ausschnitt der Entwicklung des Gerichtsverfassungsrechts erhellen. Gleichzeitig entsteht auf diesem Wege ein Eindruck von Herrschaftsorganisation und Konfliktbewältigung in der frühneuzeitlichen Gesellschaft.