35. Münsterischer Versicherungstag

Tagungsbericht zum 35. Münsterischen Versicherungstag

04.12.2017 – Von Clara Schulze-Velmede.

In der Versicherungsbranche stehen Wirtschaft, Aufsicht, Recht und Wissenschaft traditionell in regem Austausch miteinander. Einen weiteren Beleg hierfür lieferte am Samstag, dem 25.11.2017, der 35. Münsterische Versicherungstag, den die Forschungsstelle für Versicherungswesen an der Universität Münster unter der Leitung von Prof. Dr. Petra Pohlmann in den Räumlichkeiten des fürstbischöflichen Schlosses Münster ausrichtete.

Mit Prof. Dr. Manfred Wandt (Universität Frankfurt a.M.), Dr. Frank Grund (Exekutivdirektor Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht bei der BaFin), Dr. Stefan Mueck (Executive Consultant Software Group Services bei IBM), Dieter Kipp und Max Steinmetz (zeb) waren renommierte Vortragende nicht nur aus klassischen Bereichen des Versicherungswesens der Einladung gefolgt.

Im Rahmen des traditionellen Vorabendtreffens sprach Dr. Stefan Mueck über die Bedeutung der künstlichen Intelligenz für die Versicherungsbranche und stellte exemplarisch einige intelligente und selbstlernende Systeme und deren mögliche Einsatzfelder im Versicherungsbereich vor. Dabei betonte er den relativ geringen finanziellen Aufwand für den Einsatz künstlicher Intelligenz für Unternehmen und den immensen Vorteil, der sich insbesondere aus der hohen Skalierbarkeit ergebe. Zuletzt zeigte Herr Dr. Mueck eine beunruhigende Zukunftstendenz auf, nach welcher eine große Anzahl an Arbeitsplätzen der fortschreitenden Digitalisierung in einem „Post-App-Zeitalter“ zum Opfer fallen werden.

Zu Beginn der Hauptveranstaltung trug Prof. Dr. Wandt zu Auskunfts- und Erklärungsobliegenheiten nach Eintritt des Versicherungsfalls vor. Er beleuchtete mit der Diskussion um die Rechtsnatur der „Auskunftspflicht“ gem. § 31 VVG ein klassisches Problem des Versicherungsvertragsgesetzes und betonte die Praxisrelevanz der Entscheidung für oder gegen eine echte Rechtspflicht i. S. d. §§ 241, 280 BGB. Prof. Wandt sprach sich für eine Einordnung als Obliegenheit aus und führte dazu zahlreiche Argumente an.

Aktuelle Fragen der Versicherungsaufsicht bildeten den Gegenstand des Vortrags von Dr. Grund: Thema waren unter anderem die derzeit stark im öffentlichen Interesse stehenden Run offs in der Lebensversicherung sowie die im Rahmen der aktuellen Niedrigzinsphase in den Fokus der Aufsicht gerückten Kündigungen von Ergebnisabführungsverträgen. Dr. Grund gab zudem einen Ausblick auf konkret anstehende Änderungen in der Aufsichtspraxis und betonte, dass die Aufsicht sich sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene um größtmögliche Transparenz bemühe.

Einen Einblick in die Geschäftsmodelle der InsurTechs gaben sodann Dieter Kipp und Max Steinmetz von der auf Finanzdienstleister spezialisierten Beratung zeb. Hier wurden konkrete Ideenkonzepte exemplarisch vorgestellt und erläutert. Ein weiteres Mal wurde klar, dass die gesamte Branche im Umbruch steht und sich auch die alteingesessenen Unternehmen im Ideenwettbewerb beweisen müssen, um zu bestehen.

 

Hier außerdem zwei Berichte von Prof. Dr. Matthias Beenken zum Versicherungstag in der Versicherungswirtschaft heute und im Versicherungsmagazin.

 

Der 36. Münsterische Versicherungstag wird am 24.11.2018 stattfinden.