Die strafrechtliche Verfolgung der nationalsozialistischen Massenverbrechen durch die bundesdeutsche Justiz wird in naher Zukunft Geschichte sein. Sie wird in zwiespältiger Erinnerung bleiben. Vor allem in der jungen Bundesrepublik sind zahlreiche Täter von der Justiz nur sehr milde bestraft worden oder gänzlich von Strafverfolgung verschont geblieben. Nach dem Urteil des Landgerichts München II von 2011 gegen John Demjanjuk hat es dann aber noch einmal intensive Ermittlungen und mehrere Strafverfahren gegen das ehemalige Wachpersonal nationalnationalsozialistischer Konzentrationslager gegeben.
Hierzu zählt das Verfahren gegen Johann R., das im September 2018 vor dem Landgericht Münster eröffnet, im März 2019 aber auf Grund des schlechten Gesundheitszustands des Angeklagten eingestellt worden ist.

Die „Spätverfolgung“ nationalsozialistischen Unrechts ist in der Öffentlichkeit kontrovers debattiert worden. Häufig heißt es, eine Verfolgung der noch lebenden Beteiligten an den Massenverbrechen sei mit Blick auf die früheren Versäumnisse der deutschen Justiz auch heute noch geboten. Dies sei man insbesondere den Überlebenden der nationalsozialistischen Diktatur schuldig. Andere sind der Ansicht, heute zahlten über neunzigjährige Greise, die während der nationalsozialistischen Diktatur auf der niedrigsten Hierarchieebene gestanden hätten, den Preis für die frühere Nachlässigkeit der bundesdeutschen Justiz.

Im Rahmen des Kolloquiums soll die Spätverfolgung nationalsozialistischer Systemverbrechen im Wege
eines Fachgrenzen überschreitenden Dialogs analysiert und diskutiert werden.

Das Kolloquium findet am 18. Oktober 2019 ab 16 Uhr im Hörsaal H 4 (Schlossplatz 46) statt.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Weitere Informationen können dem Flyer entnommen werden.