Am 20. Juni findet wieder das Kriminalwissenschaftliche Kolloquium statt. Herr Jens Gnisa hält, im Rahmen der Veranstaltung, einen Vortrag zum Thema „Die Zukunft des Strafverfahrens – Forderungen aus der gerichtlichen Praxis an die Politik“.

Die Anforderungen an ein Strafverfahren werden immer höher: Der Opferschutzgedanke etwa hat zu einer aktiveren prozessualen Rolle der Nebenklage geführt und spielt damit eine immer stärkere Rolle neben der Schuldfrage. Auch die Medien zeigen eine veränderte Erwartungshaltung an das Gericht und können sogar ihrerseits zum Gegenstand der Öffentlichkeitsarbeit der Verteidigung werden (Litigation-PR). Die Globalisierung trifft auch die Strafverfahren: Völkermord im Kongo, Menschenrechtsverbrechen in Syrien oder strafrechtlich relevantes Handeln weltweit tätiger Konzerne stellen die Ermittler, aber auch die Hauptverhandlung selbst vor immer neue Herausforderungen. Zudem muss eine wirksame Strafjustiz auch mit der technischen Entwicklung Schritt halten können. Vorratsdatenspeicherung oder Cybercrime sind in diesem Zusammenhang zu nennen. Schließlich scheint sich auch die Verteidigungskultur zu ändern. Immer längere Strafverfahren vor den Landgerichten und schwer zu führende Großverfahren sind die Folge. Die gerichtliche Praxis fordert deshalb eine effektivere Strafprozessordnung etwa zu den Punkten Besetzung des Gerichts, Befangenheits- und Beweisanträgen sowie zur Nebenklage. Ferner bedarf es aber auch einer verbesserten Ausstattung und Zusammenarbeit zwischen den relevanten nationalen und internationalen Sicherheitsbehörden. Angemessene Personal- und Technikausstattung sowie straffe Verfahrensordnungen werden auf Dauer das Vertrauen in die Justiz stärken.

Hier finden Sie weitere Informationen zu diesem und weiteren Kriminalwissenschaftlichen Kolloquien.

Ort: Hörsaal H3 (Schlossplatz 46)

Zeit: 20.06.18 18Uhr s.t.