Vor einer gynäkologischen Praxis, die Abtreibungen anbietet, sprechen Abtreibungsgegner Frauen an und verteilen Broschüren. Mit diesem Phänomenkreis hatten sich unter dem Schlagwort "Gehsteigberatung" in den letzten Jahrzehnten immer wieder die Verwaltungs- und Zivilgerichte bis hin zum Bundesverfassungsgericht zu befassen.
Die Bandbreite der Konstellationen ist groß: Findet die Versammlung vor einer Frauenarztpraxis oder einer Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle statt? Auf dem Bürgersteig direkt davor, auf der anderen Straßenseite oder noch weiter entfernt? 
Werden Frauen direkt angesprochen, nur Plakate hochgehalten oder bloß still gebetet? Entsprechend vielfältig ist die Judikatur. Immer wieder ist der Konflikt von allgemeinem Persönlichkeitsrecht der Frauen auf der einen und Meingungs-, Versammlungs- und Religionsfreiheit auf der anderen Seite zu lösen.
Die neue Bundesregierung ist mit dem bisherigen Zustand nicht zufrieden und verspricht im Koalitionsvertrag "wirksame gesetzliche Maßnahmen" 
gegen "sogenannte Gehsteigbelästigungen".

Wir vom Jungen Forum Verfassungsrecht wollen uns mit diesem Thema näher beschäftigen und über Lösungsmöglichkeiten für diesen Grundrechtskonflikt diskutieren. Dazu haben wir spannende Referenten eingeladen, die uns mit kontroversen Positionierungen in das Thema einführen und die Diskussion eröffnen werden:


- Dr. Felix Böllmann (Wien) arbeitet bei Alliance Defending Freedom
(ADF) International, einer christlichen Menschenrechtsorganisation, und unterstützt u.a. eine Klage vor dem VGH Mannheim gegen die Beschränkung einer "Gebetswache" nahe einer Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle.


- Eva Maria Bredler (Münster) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Lehrstuhl für Internationales Öffentliches Recht und Internationalen Menschenrechtsschutz (Prof. Nora Markard). Dort forscht sie unter anderem zu Antidiskriminierungsrecht und reproduktiven Rechten.

Eckdaten: 

Datum: 29.6.22

Zeit: 18 Uhr

Ort: Jur2