In der F.A.Z. vom 25. April 2020 bewertet Prof. Dr. Oliver Lepsius die Grundrechtseinschränkungen durch die  Corona-Maßnahmen und erinnert an Selbstverständlichkeiten, beispielsweise dass Grundrechte nicht unter einem Demoskopievorbehalt stehen, dass der Begriff "Systemrelevanz" keine unmittelbare Verfassungsrelevanz hat, oder dass Kirchen verfassungsrechtlich nach anderen Maßstäben beurteilt werden sollten als Baumärkte. Eine Reihe von Maßnahmen hält Lepsius für verfassungswidrig, zumal eine Überschusstoleranz aufgrund des Nichtwissens sich täglich reduziert und teilweise bereits abgelaufen ist. In der Abwägung kamen viele Freiheitsbelange auch deshalb zu kurz, weil das Ziel der Maßnahmen zu vage bleib („es geht um Leben und Tod“) und Entscheidungen von thematisch verengten Stäben getroffen wurden („Corona Kabinette“; „Taskforces“), in denen sich einseitig eine virologische Handlungslogik durchsetzen konnte, während andere Aspekte vernachlässigt wurden, weil die zur Pflege dieser Freiheitsbereiche Zuständigen in den Expertenstäben nicht vertreten sind.  Verstörende habituelle Freiheitsverluste diagnostiziert Professor Lepsius beim Vollzugseifer, der zu absurden Maßnahmen „ohne Sinn und Verstand“ geführt habe. Die nun beginnende Phase der Lockerungen verlange vor allem eine Differenzierungskultur, weil die Bedingungen situativ sehr unterschiedlich sein werden. Sie setzt die Selbstorganisationsfähigkeit der Gesellschaft voraus wie auch das Vertrauen in die Bürger, ihr Verhalten einschätzen und anpassen zu können.

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