Uni Münster gewinnt erste europäische Regionalrunde des Jackson Moot Court

Die WTO – viele kennen die Welthandelsorganisation nur aus den Nachrichten im Zusammenhang mit Strafzöllen und Importbeschränkungen für Handtaschen und Spirituosen. Dabei ist die WTO ein Forum für alle Belange des weltweiten Handels mit Waren und Dienstleistungen. Ein wichtiger Bestandteil der WTO ist der Dispute Settlement Body, der bei Handelsstreitigkeiten unter den Mitgliedsländern angerufen werden kann, um diese zu schlichten. Ein solches Verfahren wird in der John H. Jackson Moot Court Competition simuliert. Dabei treten Teams aus aller Welt gegeneinander an. Zunächst fertigen sie Schriftsätze für Kläger und Beklagten an. Anschließend bereiten sie sich auf die mündlichen Verhandlungen gegen andere Teams vor einem sogenannten Panel (die erste Instanz des Streitschlichtungsverfahrens) vor. 

 

In diesem Jahr fand der John H. Jackson Moot Court zum 19. Mal statt und die Universität Münster wurde durch Paula Busch, Silvia Marx, Johann Schmidt und Cristina Sotelo vertreten. Der fiktive Sachverhalt drehte sich um die Kennzeichnung von Lebensmitteln durch sogenannte „front-of-pack nutrition labels“, die dem momentan breit diskutierten „Nutri-Score“ oder der Lebensmittelampel ähneln. Der Staat Budica hat ein Gesetz erlassen, welches solche Labels vorschreibt und zudem das Marketing von bestimmten Lebensmitteln einschränkt. Hintergrund war der rasante Anstieg von starkem Übergewicht in der Bevölkerung. Dale, ein anderer Staat, hält das Gesetz für unvereinbar mit mehreren Bestimmungen aus den WTO-Abkommen und wendet sich an den Dispute Settlement Body. 

 

Mitte September letzten Jahres wurde der Sachverhalt veröffentlicht. In einem kleinen Büro hoch oben in der AUB durften sich die Vier ausbreiten und konnten so trotz Corona ein wenig echte Teamarbeit erleben. Einer Tradition der KollegInnen vom Jessup Moot Court folgend, verbrachte das Team außerdem ein Teambuilding-Wochenende in Selm. Das Team hat fantastische Unterstützung von seinem Coach David Nückel erhalten, der bereits 2015 am Moot Court teilgenommen und auch das Team im letzten Jahr begleitet hat. Zusätzlich haben sich zahlreiche Moot Court-Alumni gefunden, die dem Team in der Schriftsatzphase und in Vorbereitung auf die mündlichen Verhandlungen mit Rat und Tat zur Seite standen. Die Kanzlei Hogan Lovells hat das Münsteraner Team ebenfalls bei einem Probepleading unterstützt.

 

Die mündlichen Verhandlungen finden zunächst in mehreren Regionalrunden auf allen Kontinenten statt, normalerweise natürlich in Präsenz, dieses Jahr aber leider nur digital. In der europäischen Regionalrunde konnte sich das Münsteraner Team in den ersten zwei Verhandlungen auf Kläger- und Beklagtenseite für das Halbfinale qualifizieren. Dort konnte das Team die Panelisten, erfahrene PraktikerInnen aus dem Welthandelsrecht, ProfessorInnen und MitarbeiterInnen der WTO, überzeugen und ins Finale einziehen. Bei der anschließenden Siegerehrung wurde das Team aus Münster zum Sieger der ersten europäischen Regionalrunde gekürt. Besonders wurden die rechtliche Argumentation und die gute Teamarbeit gewürdigt. 

 

Ein besonderer Dank gilt dem Freundeskreis Rechtswissenschaften für die finanzielle Unterstützung. Auch allen weiteren Förderern, Unterstützern und Helfern herzlichen Dank! Im Juni geht es in der globalen Finalrunde gegen die besten Teams aus den anderen Vorrunden weiter – ganz vielleicht sogar in Genf. Bleiben Sie gespannt!