Promotionsfeier im Wintersemester 2022/2023

Am Freitag den 9.12.2022 fand in der Aula des Schlosses die Promotionsfeier und die Ehrung der Gold- und Silberdoktor*innen der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster statt.

Prof. Dr. Petra Pohlmann, Dekanin der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, eröffnete die feierliche Veranstaltung und begrüßte die Gäste. Sie gratulierte allen Doktorandinnen und Doktoranden zu ihrer Promotion. Seit dem Promotionstourismus, 1-Tages-Promotionen und dem Verfassen der Promotionen durch die betreuenden Professoren sei es ein weiter Weg gewesen. Nach der heute geltenden Promotionsordnung der Fakultät müsse gem. § 6 I die Dissertation einen „selbständigen, wissenschaftlich beachtenswerten Beitrag zur Fortentwicklung der Rechtswissenschaft leisten.“ Doch die Freiheit der Forschung könne auch Einsamkeit der Forschung bedeuten, das hätten viele der Doktorandinnen und Doktoranden während der Pandemie besonders zu spüren bekommen. Corona habe die Forschung erschwert, nicht nur durch die Schließung der Bibliotheken, sondern auch aufgrund möglicher fehlender präsenter seelischer Unterstützung durch Freunde und Familie. Die Wissenschaft sei eben doch keine Arbeit im Elfenbeinturm, sondern profitiere vom geistigen Willen zusammenzuwirken, wie die Sonderforschungsbereiche „Recht & Literatur“, sowie das Exzellenzcluster „Religion & Politik“ bewiesen.

Doch nicht nur die Doktorandinnen und Doktoranden der vergangenen zwei Jahre hätten während einer ereignisreichen Zeit promoviert. Auch die Gold- und Silberdoktor*innen hätten solche Zeiten durchlebt, wie den RAF-Terror oder die Jahre nach der Wiedervereinigung.

Insgesamt sei es wichtig, dass während solcher Krisenzeiten eine der Wahrheit verpflichtete Forschung vorangetrieben werde. Dies sei wichtig um aus Krisen zu lernen und weitere zu verhindern, was aktuell wichtiger denn je sei. Dazu hätten alle Anwesenden durch ihre Dissertationen einen wichtigen Beitrag geleistet.

Prof. Pohlmann übergab das Wort an den Festredner Prof. Dr. Dieter Leuering, selbst Silberdoktor.

Seine Festrede hatte den Titel „Gerechtigkeit, Schönheit und der anwaltliche Schriftsatz.“ Zunächst beschäftigte er sich mit Gerechtigkeit und stellte die Frage, wie Richter urteilen. Anhand eines plastischen Beispiels - R v Dudley and Stephens - verdeutlichte er, dass es die Kompetenz der Richterinnen und Richter sei Lücken zu schließen. Jeder schaffe sich für den Alltag eine praxistaugliche Gerechtigkeit. Der Mensch habe aber keinen Zugang zu absoluter Wahrheit und allgemeine Aussagen zu Gerechtigkeit ließen sich nicht treffen. Deswegen könne man einen Blick darauf werfen, wie sich das Gerechtigkeitsempfinden entwickelt habe.

Einst sei Schönheit Wahrheit und in der Konsequenz auch Gerechtigkeit gewesen. Allerdings habe bereits David Hume 1757 treffend formuliert, dass Schönheit im Auge des Betrachters liege und somit dennoch eine subjektiv geprägte Sicht auf Gerechtigkeit eröffne.

Allerdings habe die Juristerei und dieses Schönheitsverständnis einiges gemeinsam. So lägen sie beide bis zu einem gewissen Grad im Auge des Betrachters. Auf die Schönheit mancher Kunst oder so manche Rechtspositionen könne man sich noch einigen, über andere Darstellungen oder Urteile trennten sich dann allerdings die Meinungen. Außerdem teilen sie sich den hohen Stellenwert des Expertenurteils und, dass sie im Wandel seien. Sowie sich das Verständnis von Schönheit im Laufe der Jahrhunderte entwickelt, verändere sich auch das Gerechtigkeitsempfinden.

Was allerdings bedeuten diese Erkenntnisse nun für den Rechtsanwender? Der Richter, geschult im schnellen Denken, werde anhand des anwaltlichen Schriftsatzes, eine „Geschichte“ präsentiert, die diese geschulte Gerechtigkeitsempfinden auslösen solle.

Er schloss mit der Aussage eines lokalen Richters am Landgericht:
„Den Paragraphen möchte ich sehen, der mich davon abhält eine gerechte Entscheidung zu treffen.“

Anschließend wurde allen Gold- und Silberdoktor*innen sowie den Promovierenden des Jahres 2022 gratuliert und ihre Urkunde überreicht.

Die Verleihung der Harry-Westermann-Preise der Rechtswissenschaftlichen Fakultät erfolgte durch das Mitglied des Kuratoriums des Harry-Westermann-Preises Herrn Prof. Dr. Ingo Saenger.

 

 

Ausgezeichnet wurden v.l. Dr. Poonthep Sirinupong, Dr. Katharina Beißel, Dr. Corina Heibel und Dr. Thorben Eick.

Abschließend lud Prof. Dr. Pohlmann alle Gäste zu einem Glas Sekt ins Foyer des Schlosses ein, um den Abend in feierlicher Atmosphäre ausklingen zu lassen.

Musikalisch begleitet wurde der Abend durch das Duo Aciano – bestehend aus Freya Deiting und Sandra Wilhelms.

 

Die Fotos der Veranstaltung können via Sciebo-Ordner bis zum 30.06.2022 abgerufen werden. Für das Passwort wenden Sie sich bitte mit einer formlosen E-Mail an das Dekanat.