Promotionsfeier 2023

Am Samstag, den 18. November 2022 fand in der Aula des Schlosses die Promotionsfeier und die Ehrung der Gold- und Silberdoktor:innen der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Münster statt.

Prof. Dr. Petra Pohlmann, Dekanin der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, eröffnete die feierliche Veranstaltung und begrüßte die Gäste. Eine Promotion sei eine klare Entscheidung zumindest eine gewisse Zeit der Wissenschaft zu widmen. Das sei aber nicht immer so gewesen. Einst gab es einen regelrechten Promotionstourismus, der insbesondere in Gießen auf die Spitze getrieben wurde.

Die Zeit der Promotion mache aber heute laut ChatGPT aus, dass man den Umgang mit der Kaffeemaschine perfektioniere, erklärte Prof. Pohlmann schmunzelnd. Natürlich zeichne sich die Zeit aber auch durch freie eigenverantwortliche Arbeit aus. Das Forschen in Freiheit lehre und fördere unabhängiges Denken, ganz im Geiste der Humboldt’schen Idee. Doch auch die Einsamkeit des Elfenbeinturms Promotion sei manchmal nicht zu unterschätzen gewesen, wenn man mit manchen Fragstellungen tatsächlich allein war. Für die Praxis seien die Fähigkeiten, die man während einer Promotion lernte – unabhängig, selbstständig und wissenschaftlich zu denken – gerade zu unverzichtbar.

In den aktuellen Zeiten müsse man sich allerdings auch der Frage widmen, wie man mit heiklen Themen im geschützten Rahmen der Wissenschaft umgehe. Dies sei aber sowohl vor 50 Jahren, als der RAF-Terror Deutschland in Atem hielt und Willy Brandt eine neue Ostpolitik einführte, als auch vor 25 Jahren, als das Ende des Kalten Krieges das weltpolitische Klima prägte und die Herausforderungen der Wiedervereinigung die nationale Politik maßgeblich beeinflusste ebenso eine Herausforderung gewesen.  Gerade dann sei die Forschung von immenser Bedeutung, die der Wahrheit verpflichtet sei.

Dann gab sie das Wort an die Festrednerin, Prof. Dr. Katharina von Koppenfels-Spies, Inhaberin des Instituts für Wirtschaftsrecht, Arbeits- und Sozialrecht, Abt. III: Sozialrecht an der Universität Freiburg. Prof. von Koppenfels-Spies hat selbst in Münster Jura studiert und gehörte zu den Silberdoktorand:innen. Dies habe sie, als sie die Einladung erhielt, selbst überrascht und im ersten Moment bestürzt, erzählte sie zwinkernd. Doch nun freue sie sich an ihre Alma Mater zurück gekehrt zu sein und die Festrede am heutigen Tage zu halten.

Ihre Festrede stand unter dem Titel „Vertrauen im Sozialstaat“. Sie begann mit dem berühmten Zitat des damaligen Ministers für Arbeit und Sozialordnung Norbert Blüm, dass die Rente sicher sei. Darin sei ein Vertrauen vermittelt worden, dass wohl kaum zu übertreffen sei. Auch der derzeitige Bundesarbeitsminister Hubertus Heil spreche noch davon, dass die Weichen gestellt seien, dass die Rente verlässlich bleibt. An diesen Aussagen ließe sich erkennen, dass um Vertrauen von Seiten des Staates geworben werde. Bestätigt werde dies durch aktuelle Gesetzesbegründungen in der jüngsten Sozialgesetzgebung in der das Wort „Vertrauen“ fast inflationär verwendet würde.

Der Staat fordere also das Vertrauen seiner Bürger ein. Dennoch bringe der Staat seinen Bürgern aber auch Misstrauen entgegen, wie sich an den Reformen im Bereich der gesetzlichen Kranken- und Sozialversicherungen in den vergangenen Jahren erkennen ließe. Studien ermittelten, dass das Vertrauen der Bürger in den Sozialstaat tatsächlich gesunken sei. Daraus schlossen manche, dass sich die Bürger vom Sozialstaat entfremdeten und dieser in der Krise stecke. Dieses verloren gegangene Vertrauen versuche der Staat nun wieder zurück zu gewinnen. Dies ließe sich beispielsweise an der Reform der Kinderkrankengeld-Regelung erkennen, sowie an der Reform des Bürgergelds, nach denen Leistungen nun zunächst pauschal gewährt würden.

Die Bürger wiederum müssten ihrerseits auch in den Sozialstaat vertrauen können, weil sie oftmals eine Gegenleistung erst spät erhielten.

Sie zog den Schluss, dass das Vertrauen in beide Richtungen gegeben sein muss. Das System beruhe auf Gegenseitigkeit.

Doch worauf sei dieses Vertrauen tatsächlich gerichtet? Der Staat müsse seinen Bürger vertrauen können, rechtzeitige und korrekte Angaben zu machen. Das System also nicht zu missbrauchen und nicht zu opportunistisch zu sein. Der Bürger hingegen müsse vom Staat erwarten können, dass man zuverlässig abgesichert werde. Dass die Systeme also zukunftsfest und sicher seien, dessen Mittel effizient und sicher. Das Vertrauen sei also ein grundlegendes Merkmal für Stabilität und Funktionalität des Sozialstaats. Doch das gelte nicht nur für den Sozialstaat, sondern ließe sich ebenso auf die Demokratie übertragen. Diese fordere einen Zusammenhalt zwischen alt, jung, arm, reich, krank und gesund. Schwinde dieser, sei dies ein Nährboden für Extremismus. Bestehe ein Zweifel an der Nachhaltigkeit des Systems, dann entstünden Zukunftsängste.

Das Vertrauen sei folglich essentiell und eine Grundbedingung einer funktionierenden Demokratie und eines funktionierenden Sozialstaates, schloss Prof. von Koppenfels-Spies.

Anschließend wurde allen Gold- und Silberdoktor:innen sowie den Promovierenden des Jahres 2023 gratuliert und ihre Urkunde überreicht.

Die Verleihung der Harry-Westermann-Preise der Rechtswissenschaftlichen Fakultät erfolgte durch das den Vorsitzenden des Kuratoriums des Harry-Westermann-Preises Herrn Prof. Dr. Dirk Ehlers.

Preistäger:innen sind in diesem jahr (v.l.): Maria Henke, Ludwig Richter, Yaron Levy, Nicole Hövelmeyer, Niklas Gasse

Musikalisch wurde die Veransaltung vom Streicherquartett Saitenwind, bestehend aus: Elena Schöne, Maria Polonidou, Lea Rölver, Veronica Roggel

Die Bilder der Veranstaltung finden Sie in einem Sciebo-Ordner. Der Ordner ist durch ein Passwort geschützt, das Sie per E-Mail an presse.jura@uni-muenster.de erfragen können.