Im Namen der Juristischen Studiengesellschaft begrüßte Herr Koopmann die Vortragende zur ersten Präsenzveranstaltung unter Corona Bedingungen und gab den Anwesenden einen Überblick über die vielseitigen Stationen ihrer Laufbahn. Im Anschluss sprach zudem Dr. Hüffer, Präsident der IHK Nord Westfalen, einige Begrüßungsworte.
Wohin soll die Reise des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gehen? Mit dieser Frage begann Frau Prof. Dr. Wille ihren Vortrag. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk stehe aufgrund der digitalen Transformation vor einer Herausforderung. Der ständige technische Fortschritt führe zu einer Polarisierung innerhalb der Meinungsbildung. Die Freiheit und Vielfalt der Meinungen müsse deshalb gewährleistet werden.
Die öffentliche Meinung, die der Rundfunk darstellen müsse, entstehe durch ständige Auseinandersetzung und verändere sich stetig, so Prof. Wille. Für eine ausgewogene Meinungsbildung müssten sich die Menschen daher umfassend informieren können. Nur so werde eine Unterscheidung zwischen Tatsachen und Meinungen ermöglicht. Die Referentin betonte, dass die wichtigste Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks die Schaffung einer gemeinsamen Faktenbasis sei. Dafür müsse die Grundversorgung der Bevölkerung im Sinne einer Daseinsvorsorge gesichert werden. Dies entspreche mehr als einer Mindestversorgung.
Aufgrund der digitalen Transformation sei aber eine Weiterentwicklung erforderlich. Insbesondere bei der Flut an Informationen, die mittlerweile durch das Internet und die sozialen Medien entstehe, sei eine Qualitätssicherung wichtig. Lügen verbreiten sich im Netz schneller als wahre Tatsachen, so Prof. Wille. Deshalb wachse die Bedeutung, aber auch die Verantwortung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Dieser müsse ein vielfaltsicherndes Gegengewicht darstellen und den Dialog mit den Bürgern stärken. Ein Instrument dafür solle der neue Medienstaatsvertrag sein. Dieser beinhalte zum Beispiel die Verpflichtung zur Einhaltung journalistischer Standards und zur Kennzeichnung von sogenannten Social Bots. In diesem Zusammenhang seien insbesondere die Landesmedienanstalten gefragt, die Umsetzung der neuen Aufgaben zu überwachen.
Allerdings stellte die Referentin zugleich abschließend fest, dass der Rundfunk, wie er heute besteht, bereits sehr leistungsstark sei. So würden 80 Prozent der Bevölkerung den öffentlich-rechtlichen Rundfunk jeden Tag nutzen und rund 67 Prozent hätten ihm im Jahre 2019 vertraut. Auf dieser Grundlage könne also weiterhin aufgebaut werden.
Im Anschluss dankte Dr. Fritz Jaeckel der Referentin für den gelungenen Vortrag und eröffnete eine anregende Diskussion mit den Zuhörern. Bei einem Glas Sekt ließen die Teilnehmer schließlich die Veranstaltung coronakonform ausklingen.