Prof. Dr. Dieter Birk

Bild: Pöllath & Partners (Copyright)

 

Prof. Dr. Dieter Birk

16.06.1946 – 30.05.2021

 

Herr Prof. Dr. Dieter Birk wurde am 16. Juni 1946 in Freising unweit der bayerischen Landeshauptstadt geboren. Dort besuchte er zunächst das humanistische, sodann das musische Gymnasium. Nach dem Abitur studierte er von 1966 bis 1970 Rechtswissenschaften in Tübingen, München und Regensburg. Nach dem ersten Staatsexamen im OLG-Bezirk Nürnberg begann er eine Tätigkeit als Mitarbeiter am Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Steuerrecht der Universität Regensburg. Im Juli 1973 wurde er dort mit einer Arbeit über das persönliche Eigentum des Bürgers in der DDR zum Dr. iur. promoviert. Von 1972 bis 1975 leistete Herr Birk den juristischen Vorbereitungsdienst ab und legte im März 1975 das Assessorexamen am OLG München ab. Sodann war er wissenschaftlicher Assistent bei Klaus Vogel am Lehrstuhl für Öffentliches Recht, insbes. öffentliches Wirtschafts- und Steuerrecht der Universität München. Die Habilitation folgte im Juli 1981 mit einer preisgekrönten Arbeit über das Leistungsfähigkeitsprinzip als Maßstab der Steuernormen. 

Zum 1. November 1982 wurde Dieter Birk an der WWU Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht unter besonderer Berücksichtigung des Finanz- und Steuerrechts und zugleich Direktor des Instituts für Steuerrecht, dem er fast 30 Jahre trotz ehrenvoller Rufe nach Frankfurt am Main sowie nach Berlin vorstand und das er maßgeblich prägte und weiterentwickelte. Als 2009 das 75jährige Institutsjubiläum begangen wurde, war Dieter Birk erst dessen vierter Direktor und steht damit in der Tradition von Otmar Bühler, Friedrich Klein und Paul Kirchhof. Von April 1993 bis September 1994 stand er der Rechtswissenschaftlichen Fakultät als Dekan vor.

Früh hat sich Herr Birk um den Transfer seiner vielfältigen Forschung in die Region und die überregionale Praxis verdient gemacht. Von 1985 bis 1997 war er Richter im Nebenamt am Finanz­gericht Münster. 1988 gründete er den Westfälischen Steuerkreis, der bis heute Steuerrechtlerinnen und Steuerrechtler aus Wissenschaft und Praxis weit über Münster hinaus zusammenführt und zum Austausch anregt. Ein Meilenstein für die Entwicklung unserer Fakultät stellte die 2001 von Dieter Birk maßgeblich veranlasste Entwicklung des Postgraduierten-Programms der Fakultät und der Einrichtung der berufsbegleitenden JurGrad-Masterstudiengänge dar. Dieter Birk konzipierte zunächst den internationalen Summer Course Taxation und sodann den Studiengang Steuerwissenschaften und prägte auch den Aufbau des Studiengangs Mergers & Acquisitions. Dass die Fakultät zusammen mit der JurGrad gGmbH heute acht Postgraduierten­studien­­gänge anbietet und auf mehr als 3.000 Alumni stolz sein darf, ist eines seiner bleibenden Verdienste um unsere Fakultät. Seit 1997 war Herr Birk zudem Of Counsel und Steuerberater der Sozietät Pöllath + Partner, der er nach seiner Emeritierung im August 2011 in ihrem Berliner Büro auch als Rechtsanwalt verbunden war.

In der Forschung und Lehre genoss Herr Birk ein außerordentlich hohes Ansehen und hat schon früh internationale Beziehungen – insbesondere nach Japan, Frankreich und in die USA – aufgebaut und den wissenschaftlichen Austausch gefördert. Sein Lehrbuch zum Steuerrecht avancierte schnell zum führenden Werk der steuerrechtlichen Ausbildungsliteratur. 2003 konzipierte er den Schwerpunktbereich 8 (Steuerrecht). Zudem war er ein akademischer Lehrer im besten Sinne des Wortes. Über 130 Doktorandinnen und Doktoranden hat er in den fast dreißig Jahren seiner Fakultätszugehörigkeit betreut und sechs seiner Schüler zur Habilitation geführt. Anlässlich seiner Abschiedsvorlesung zu dem Thema – nomen est omen – „Das Ungerechte an der Steuergerechtigkeit“, die mit einem Symposium einherging, charakterisierte ihn der damalige Dekan, Kollege Wolffgang, als „guten Hirten“, der seiner Herde nicht immer nur vorweg, sondern oft hinterherging, um so – wie der Hirte im Orient – noch mehr neue Weidegebiete, also Forschungsfelder, zu erschließen. So konnte er nicht nur durch sein eigenes umfangreiches wissenschaftliches Oeuvre das Steuerrecht in der zweiten Hälfte der Bonner und der frühen Phase der Berliner Republik maßgeblich mitgestalten. Dass sich Herr Birk eine Festschrift aus Anlass seines 70. Geburtstags verbeten hat, zeugt von seinem stets bescheidenen und unprätentiösen Auftreten. 

Die Rechtswissenschaftliche Fakultät trauert mit seiner Frau Gudrun Birk-Marxreiter, seinen vier Kindern und der gesamten Familie Birk. Sie wird sich an Dieter Birk immer mit großer Hochachtung erinnern.

Prof. Dr. Matthias Casper

Dekan