Im Rahmen seiner Präsentation sprach Philipp Ambach über die Mitwirkungsmöglichkeiten von Opfern völkerstrafrechtlicher Massenverbrechen an den Strafprozessen vor dem Internationalen Strafgerichtshof und anderer internationaler Strafgerichte. Seit Einsetzung des Internationalen Strafgerichtshofs können Opfer in der Geschichte des Völkerstrafrechts erstmals aktiv als „Partei“ an internationalen Strafverfahren teilnehmen, wie beispielsweise durch das Einbringen eigener Beweismittel. Bei Verurteilung des Angeklagten schließe sich außerdem unmittelbar an das Strafverfahren ein Wiedergutmachungsverfahren an, in dem die Opfer die Möglichkeit haben, Restitution von den Tätern und Täterinnen oder aus einem eigens dafür angelegten Treuhandfond zu erlangen. Philipp Ambachs Aufgabe als Chief of Victims Participation and Reparations Section sei, mit potenziellen Opfern zu sprechen und zu beurteilen, ob es sich dabei wirklich um Opfer im Sinne der Rule 85(a) der Verfahrensordnung des Internationalen Strafgerichtshofs handele und die Personen somit als Opfer im Strafverfahren zugelassen werden sollen.

Die Mitwirkung der Opfer im internationalen Strafverfahren, so Philipp Ambach, sei im Vergleich zu nationalen Strafverfahren besonders wichtig. Die Beteiligung der Opfer könne einerseits möglicherweise einen sichereren Frieden garantieren. Die Opfer können dadurch Genugtuung erfahren, dass sie ihre eigenen Leiden vor Gericht schildern und unter Umständen sogar finanzielle Wiedergutmachung erlangen. Eine Versöhnung zwischen Opfern und Tätern und Täterinnen werde dadurch ebenfalls wahrscheinlicher.

Philipp Ambach sah aber auch Probleme bei der praktischen Umsetzung der Opferbeteiligung in internationalen Strafverfahren. Durch die Möglichkeit der Einbringung eigener Beweismittel bestehe die Gefahr, dass die Nebenklage zu einer zweiten Staatsanwaltschaft werde. Zudem repräsentiere oft ein Prozessvertreter mehrere Tausend Opfer. Es sei zumindest zweifelhaft, inwiefern sich das einzelne Opfer dann noch in den Prozess einbezogen fühlen könne. Schließlich seien auch Reparationen nicht immer problemlos möglich, denn die in Anspruch zu nehmenden Täter und Täterinnen seien spätestens nach den kostspieligen Verfahren oft mittellos und die Treuhandfonds auf Spenden angewiesen.

Philipp Ambach zog daher das Fazit, dass sich durch die Beteiligung der Opfer im internationalen Strafverfahren zwar viele Erfolge erkennen ließen, die Praxis sich aber weiterhin einigen Schwierigkeiten ausgesetzt sehe.

An den Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussion an. Im Zentrum der Diskussion stand die Benachteiligung der Verteidigung, wenn Opfervertreter zwar eigene Beweise einbringen können, die Identität der Opfer aber geheim bleiben solle. Auch die Einhaltung der Unschuldsvermutung, so klang es aus den Reihen der Zuhörer und Zuhörerinnen, werde durch die exponierte Stellung der Opfer zumindest in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit erschwert.