Kolloquium „Spätverfolgung von NS-Unrecht" an der WWU Münster

Thomas Köhler (Villa ten Hompel, Historisches Seminar der WWU Münster) spricht über den geschichtswissenschaftlichen Blick auf die Verfolgung von nationalsozialistischem Systemunrecht.

Am 18. Oktober 2019 fand an der WWU Münster ein Kolloquium zum Thema „Spätverfolgung von NS-Unrecht“ statt. Die von Prof. Dr. Moritz Vormbaum organisierte Veranstaltung brachte verschiedene Perspektiven auf die aktuelle Verfolgung nationalsozialistischen Unrechts zusammen. Die medial präsenten Prozesse gegen ehemalige Wachmänner des Konzentrationslagers Stutthof vor dem Landgericht Münster im Jahr 2018 sowie aktuell vor dem Landgericht Hamburg haben das Thema wieder in den Fokus der gesellschaftlichen Diskussion gerückt. Entsprechend groß war das Interesse an der Veranstaltung, wie der voll besetzte Hörsaal H4 eindrucksvoll zeigte.

Nach einführenden Worten von Prof. Dr. Moritz Vormbaum sprach Oberstaatsanwalt Andreas Brendel über seine Tätigkeit als Leiter der Zentralstelle im Lande Nordrhein-Westfalen für die Bearbeitung von nationalsozialistischen Massenverbrechen. Er nahm sowohl die praktischen Seiten seiner Arbeit als auch deren moralische und politische Aspekte in den Blick. Aus seiner Sicht sei man die Erforschung der Geschehnisse den damaligen Opfern und ihren Nachkommen schuldig.

Anschließend stellten Prof. Dr. Stefan Arnold und Dr. Kerstin Wilhelms ihr gemeinsames interdisziplinäres Projekt „Schau-Prozesse. Inszenierungen des Rechts als soziale Praxis“ des Sonderforschungsbereichs „Recht und Literatur“ an der WWU Münster vor. Ihr Vortrag verknüpfte theaterwissenschaftliche und juristische Perspektiven auf medienwirksame Strafprozesse, beispielsweise den NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München und die aktuellen Verfahren gegen NS-Täter.

Der Historiker Thomas Köhler (Villa ten Hompel/Historisches Seminar der WWU Münster) ordnete die Spätverfolgung von NS-Unrecht in einen geschichtswissenschaftlicher Kontext. Er stellte die verschiedenen Phasen der bundesdeutschen Verfolgung nationalsozialistischer Verbrechen dar und beurteilte sie. Für Köhler haben die letzten Prozesse wegen NS-Unrechts vor allem deshalb Bedeutung, weil sie einen Blick „über Auschwitz hinaus“, u. a. auf das eher unbekannte KZ Stutthof, ermöglichen.

Im Anschluss an die Vorträge entstand eine rege Diskussion zwischen den Vortragenden und mit dem Publikum.