Dr. Hendrik Wieduwilt: „Wenn aus Bildern Daten werden – Wie die Digitalisierung das Fotografieren in der Öffentlichkeit bedroht"

Auf Einladung der Juristischen Studiengesellschaft hielt Herr Dr. jur. Hendrik Wieduwilt, Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, am 18. April 2018 einen Vortrag zum Thema „Wenn aus Bildern Daten werden – Wie die Digitalisierung das Fotografieren in der Öffentlichkeit bedroht“. Im Namen der Juristischen Studiengesellschaft begrüßte Professor Thomas Hoeren den Vortragenden und gab den Anwesenden einen Überblick über dessen juristische und journalistische Laufbahn.

Herr Dr. Wieduwilt begann seinen Vortrag, indem er eine Kamera zückte und ohne Vorwarnung das Publikum fotografierte. Mit dieser überraschenden Aktion zeigte der Redner dem Publikum, dass das Fotografieren in den meisten Fällen ein diffuses und bedrohliches Gefühl des „Beobachtetwerdens“ hervorrufen kann, vor allem dann, wenn die Fotografierten vorher nicht gefragt werden.
Gerade die Straßenfotografie lebe davon, dass Menschen ungefragt im öffentlichen Raum in spontanen Momenten des Alltags und in sozialer Interaktion abgelichtet werden. Der spontane Moment, der ein Bild ausmacht, kann nicht nachgeholt werden. Wenn die Passanten erst gefragt würden, ob sie mit dem Fotografieren einverstanden sind, werde der Gesamteindruck des Fotos ein anderer. Dies veranschaulichte der Referent durch einige Werke berühmter Straßenfotografen. Folglich sei es strukturtypisch für die Straßenfotografie, dass keine Einwilligung der abgelichteten Menschen vorliegt. Allerdings sei genau aus diesem Grund die Straßenfotografie aufgrund der Rechtslage in Gefahr. Damit leitete Dr. Wieduwilt zu den rechtlichen Problemen über, die sich durch das Inkrafttreten der  EU-Datenschutzgrundverordnung am 25. Mai 2018 stellen. Der Redner ging dabei insbesondere auf Art. 6 DS-GVO ein, welcher die rechtmäßige Verarbeitung von Daten regelt. Problematisch sei vor allem die Voraussetzung der Einwilligung, da diese durch die Betroffenen jederzeit widerrufen werden könne und es für den Fotografen bereits schwierig sei, die Einwilligung nachzuweisen, so der Vortragende. Dies verändere die gesamte Straßenfotografie.
Die Presse und Medien erhielten zwar auf Landesebene Privilegien, jedoch seien Ob und Wie dieser Privilegierung in den jeweiligen Bundesländern unterschiedlich geregelt, was zu hoher Rechtsunsicherheit führe. Der Straßenfotograf als Künstler könne sich auf diese Privilegien ohnehin nicht berufen. In Zukunft könne er sich vorstellen, dass Straßenfotografien nur noch verschwommene Gesichter zeigen, um den Datenschutz nicht zu gefährden. Zum Schluss verdeutlichte der Vortragende nochmals die Gefahr für das Fotografieren in der Öffentlichkeit: „Straßenfotografie nur noch mit Anwalt!“.

Im Anschluss an den Vortrag wurde eine Frage- und Diskussionsrunde mit dem Publikum eröffnet. Bei einem Glas Sekt entstand anschließend ein reger Austausch zwischen dem Vortragenden und den Gästen. Die Juristische Studiengesellschaft bedankt sich bei Herrn Dr. Wieduwilt für seinen Vortrag.