Dr. Eckhard Kluth über „Das Juridicum in Münster – die architektonische Idee und ihre Realisierung"

Auf Einladung der Juristischen Studiengesellschaft Münster hat Dr. Eckhard Kluth am Dienstag, den 20. Juni 2017 im vollbesetzten Karl-Bender-Saal über die Geschichte des Juridicums gesprochen. Der Referent wurde von Herrn Koopmann im Namen der Juristischen Studiengesellschaft begrüßt und dem Auditorium vorgestellt.

Dr. phil. Eckhard Kluth ist Kustos der Westfälischen Wilhelms-Universität. Zu seinen Aufgaben gehört u.a. die Erforschung der Baugeschichte der Universität Münster. Im Rahmen seines Vortrages stellte Dr. Kluth die Ergebnisse seiner Neubewertung des Juridicums als schützenswertes Baudenkmal vor.

Nachdem die Universität im Rahmen des Zweiten Weltkrieges zerstört wurde, bekam der Architekt Hans Malwitz die Aufgabe, den Altstadtcampus wiederaufzubauen. Dr. Kluth ging zunächst auf die Karriere des Architekten – auch während der Zeit des Nationalsozialismus – ein. Der Redner zählte sodann architektonische Besonderheiten auf, die das Juridicum ausmachen, z.B. seine Symmetrie, den großen Torbogen und den Uhrenturm. Diese Charakteristika gäben Rätsel auf, die sich teilweise durch die Geschichte erklären lassen.   

Anhand von Bauplänen aus den 50er Jahren zeigte Dr. Kluth sodann die Konzepte für den Wiederaufbau der Universität und für das Juridicum im Speziellen. Der Bauplatz für das Juridicum stand aufgrund der Wegebeziehung zum Schloss und als Durchgang zum Altstadtcampus frühzeitig fest. Danach wurden die ersten Pläne für das Gebäude erstellt. Das Juridicum – als geschlossener Bezirk – wendet sich durch seine Orientierung nach innen von der Stadt ab und strahlt somit abseits des Alltags besinnliche Einsamkeit und innere Ruhe aus.

Ein Rätsel bleibt allerdings die Bedeutung des großen Torbogens an der Südseite, dessen Lage es nicht gebietet, es als besonderen Eingang wahrzunehmen. Allerdings ist die Südseite die einzige der Öffentlichkeit zugewandte Seite, sodass das Tor als „Eyecatcher“ dient.          

Nach einer kurzen Präsentation der Innenarchitektur des Juridicums anhand privater Aufnahmen des Architekten, welche die hohe Qualität der Ausstattung im Rechtswissenschaftlichen Seminar und der Treppenhäuser zeigten, kam Herr Dr. Kluth auf das Thema Kunst am Bau zu sprechen und in diesem Zusammenhang auch auf die Entwicklung des Innenhofes. Im Mittelpunkt des Hofes befand sich ursprünglich ein Brunnen, welcher von Bäumen in symmetrischer Anordnung eingerahmt wurde. In diesen Brunnen wurde ein Frosch aus Stein gesetzt. Nach einer Dachsanierung 1987 wurde der Innenhof allerdings größtenteils zerstört. Statt Brunnen und Bäume durchzogen daraufhin große Wege den Hof. Das nächste Kunstwerk, welches auch noch heute im Juridicum zu sehen ist, nennt sich „Die Wiese lacht oder das Gesicht in der Wand“ (Harald Klingelhöller) und wurde im Rahmen der Skulptur Projekte im Jahr 1987 installiert. Ein Gerüst aus Spiegeln im Halbkreis auf der Wiese bildet den lachenden Mund. Aber nicht nur im Innenhof, sondern auch im ganzen Gebäude sind noch heute Kunstwerke an Wänden und in Fenstern zu finden.

Dem Vortrag schloss sich ein Sektempfang an, den die Anwesenden zum gegenseitigen Austausch nutzten.

Die Juristische Studiengesellschaft dankt Herrn Dr. Kluth, der durch seinen Vortrag die Geschichte des Juridicums anschaulich näher bringen konnte und einen beeindruckenden Überblick über die Kunstwerke und ihre Bedeutung im Gebäude geben konnte.