Das gute alte Grundgesetz und wir Nachkonstitutionellen

Die Vortragsreihe „Münsterische Gespräche zum Öffentlichen Recht“ wurde am 26. November 2019 mit einem Vortrag von Prof. Dr. Thorsten Kingreen fortgesetzt, der einen Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Sozialrecht und Gesundheitsrecht an der Universität Regensburg innehat.

Kingreen, der in Münster 1995 promoviert wurde und sich dort 2001 habilitierte, ging in seinem Vortrag „Das gute alte Grundgesetz und wir Nachkonstitutionellen“ der Frage nach, wie Rechtsprechung und Rechtswissenschaft mit einer alternden Verfassung umgehen können. Er erörtere das Problem anhand von drei Referenzgebieten – der Pluralisierung, der Digitalisierung und der Europäisierung – und richtete ein besonderes Augenmerk auf die Potentiale verfassungsrechtlicher Dogmatik. Im Umgang mit einem „stabilen Text im volatilen Kontext“ findet Dogmatik unweigerlich statt, muss jedoch in ihrer Zeit verstanden werden und eine Fehlerkultur entwickeln, die es ermöglicht Konstruktionen, die auf überkommenen Wertvorstellungen beruhen, anzupassen oder aufzugeben.

In der anschließenden Diskussion kamen – dem Münsterischen Brauch entsprechend – zunächst die Studierenden zu Wort, mit deren präzisen und pointierten Nachfragen sich Kingreen eingehend auseinandersetzte.