Der jetzt in den Landtag eingebrachte Gesetzentwurf der NRW-Landesregierung zur Änderung des Juristenausbildungsgesetzes wurde gegenüber dem ersten Entwurf  in einigen Punkten entschärft. Zumindest die Übergangsregelungen wurden erheblich verlängert.

Die Rechtswissenschaftliche Fakultät hatte den ursprünglichen Gesetzentwurf in ihrer Stellungnahme auf das Schärfste kritisiert, jedenfalls was die Änderungen der Zwischen- und Schwerpunktbereichsprüfung betrifft. Kritikwürdig ist aus Sicht der Fakultät auch das Erfordernis der Anfertigung von fünf häuslichen Arbeiten als Zulassungsvoraussetzung zur staatlichen Pflichtfachprüfung. Diese Kritikpunkte bleiben aber in dem neuen Gesetzentwurf im Wesentlichen unberücksichtigt. Der Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, Herr Prof. Dr. Casper, hat die Kritik an der Reform der Schwerpunktbereichsprüfung kürzlich nochmals in einem Artikel auf den Punkt gebracht, der in der F.A.Z. am 29.04.2021 veröffentlicht wurde:

Die Totengräber der juristischen Schwerpunktausbildung sind auf dem Vormarsch

Die wichtigsten Änderungen, die der Gesetzentwurf vorsieht, lassen sich in folgenden Punkten zusammenfassen:

- Die Zwischenprüfung soll künftig aus nur noch drei jeweils dreistündigen Klausuren bestehen, deren Stoff im Zivilrecht den drei ersten Büchern des BGB zu entnehmen ist, im öffentlichem Recht dem Staatsrecht und Allgemeinen Verwaltungsrecht und im Strafrecht dem Allgemeinen und Besonderen Teil des StGB. Die Universitäten können weitere Prüfungsleistungen als Zulassungsvoraussetzungen zur Zwischenprüfung verlangen.

- Als Zulassungsvoraussetzung für die staatliche Pflichtfachprüfung müssen jeweils 5 bestandene Klausuren und 5 Hausarbeiten nachgewiesen werden, davon jeweils eine aus Zivilrecht, Strafrecht und öffentlichem Recht.

- Die Schwerpunktbereichsprüfung besteht aus ein bis zwei Klausuren (ursprünglich war nur eine vorgesehen), einer häusliche Arbeit und einer mündlichen Prüfung, die laut Gesetzesbegründung auch in einer Verteidigung der häuslichen Arbeit bestehen kann.

- Die Abschichtungsmöglichkeit in der staatlichen Pflichtfachprüfung wird abgeschafft.

- Dafür können künftig auch diejenigen Studierenden einen Notenverbesserungsversuch unternehmen, deren erster Versuch kein Freiversuch war.

- Die Universitäten haben nach der Verkündung zwei Jahre Zeit, ihre universitären Prüfungsordnungen anzupassen. Nach dem Inkrafttreten des Gesetzes (3 Monate nach Verkündung) können sich Studierende noch drei Jahre lang nach altem Recht zur staatlichen Pflichtfachprüfung anmelden. Wer sich später anmeldet, muss die neuen Zulassungvoraussetzungen erfüllen und wird nach neuem Recht geprüft.