20 Jahre Anwaltsrecht an der Universität Münster

Eine aktuelle Neuregelung soll sicherstellen, dass Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte zeitnah nach ihrer Zulassung auch über die erforderlichen Kenntnisse im anwaltlichen Berufsrecht verfügen. So soll die Qualität anwaltlicher Dienstleistungen gesichert und diejenigen geschützt werden, die zur Wahrung ihrer Rechte anwaltlichen Beistands bedürfen (Gesetzesbegründung, BT-Drs. 19/30516, S. 44). Deshalb wird im Rahmen der kürzlich verabschiedeten Reform des Berufsrechts (Gesetz v. 7. 7. 2021, BGBl. I 2021 S. 2363) der Nachweis berufsrechtlicher Kenntnisse zum 1. 8. 2022 zur Berufspflicht (§ 43f BRAO).

Das neue Gesetz sieht aber eine Ausnahme für diejenigen vor, die innerhalb von sieben Jahren vor ihrer erstmaligen Zulassung zur Anwaltschaft bereits an einer entsprechenden Lehrveranstaltung teilgenommen haben. Diese Ausnahme soll nach dem gesetzgeberischen Willen sogar zur Regel werden: Er hat nämlich die Hoffnung, dass das Angebot entsprechender Veranstaltungen insbesondere im Studium vergrößert wird, um eine frühzeitige und vor allem kostengünstige Möglichkeit zum Erwerb der erforderlichen Berufsrechtskenntnisse zu bieten (so die Gesetzesbegründung, BT-Drs. 19/30516, S. 45). Heute ist das noch ein frommer Wunsch: Anwaltsrecht wird nämlich nur an wenigen Fakultäten hinreichend angeboten.

Anders an der Universität Münster, die hier schon lange ein Vorreiter ist: Genau vor 20 Jahren, nämlich zum Wintersemester 2001/02, wurde das Anwaltsrecht in den Lehrplan aufgenommen – und flankierend eine Forschungsstelle zum Anwalts- und Notarrecht gegründet, von denen in Deutschland nur eine gute Handvoll bestehen. Seither werden jedes Semester praxisorientierte Vorlesungen zum Berufsrecht, zur Vertragsgestaltung und zu Verhandlungsstrategien und forensischer Praxis angeboten. Dabei versichert sich die Fakultät auch der Unterstützung erfahrener Praktiker als Dozenten, im Berufsrecht etwa des auch als ein führender Autor auf diesem Gebiet ausgewiesenen Hauptgeschäftsführers der Rechtsanwaltskammer Hamm, Stefan Peitscher, und des Münsteraner Rechtsanwalts Martin Matzat.

Die Rechtswissenschaftliche Fakultät bietet also bereits seit 20 Jahren etwas, was sich der Gesetzgeber erst für die Zukunft wünscht. Die Universität Münster ist also nicht nur bestens aufgestellt, sondern hat frühzeitig die Erfordernisse der Praxis erkannt und entsprechend gehandelt!